Auszug aus der Sonderbeilage des Freisinger Tagblattes vom 29.10.2003/Seite 2
50plus
Ran ans Netz
Im besten Alter fürs Internet
"Opa Wolf" im Datennetzt: Auch für
Junge ein kompetenter Helfer
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Moosburg - Das Internet ist bei Hermann Wolf wirklich grenzenlos, nicht einmal Wände sind ein Hindernis. Denn bevor seine Frau Antonie schimpft, dass er schon wieder vor dem Computer hockt, setzt er sich zu ihr auf die Wohnzimmercouch - allerdings mit seinem Laptop auf den Knien. Per Funk ist der tragbare Computer mit dem Rechner nebenan verbunden und darüber wiederum mit dem Internet. Und dort, im weltweiten DatenNetz, verbringt der 70-jährige Moosburger viel Zeit. Grenzenlos viel Zeit, wie seine Frau meinen würde.
Wolf befindet sich seit zehn Jahren im permanenten Unruhestand. Töpfern, Fotografieren, Schreinern oder Tonaufnahmen - die Liste seiner Hobbys ist endlos. Doch der Computer nimmt eine besondere Stellung ein. Wolf ist Leiter des Webteams Mooburg vom Freisinger Internet Verein "Bürgernetz Weihenstephan". Vieles, was man auf der Seite www.moosburg.org findet, hat der Online-Oldie ins Netz gestellt.
Dabei hat Hermann Wolf noch viel mehr vor: "Momentan bin ich dabei, dass wir im Elisabethenheim einen Team-Raum bekommen." In diesem Zimmer des aufgelösten Altersheimes möchte Wolf einen wöchentlichen Service-Abend anbieten, wie er in Freising etabliert ist (immer Dienstags von 19 bis 21 Uhr in den Bürgemetz- Räumen in der Vhs). Da wird Mitgliedern, oder solchen, die es werden wollen, bei Computer- Problemen geholfen.
Außerdem könnte der Moosburger Raum auch ein Treffpunkt für den etwas eingeschlafenen Bürgernetz-Arbeitskreis 50plus werden. "Vielleicht kann man das ja wieder aktivieren", hofft Wolf. Unter dem Motto "Hilfe gegenseitig" wurde die Gruppe vor zwei Jahren gegründet. Die meisten Mitglieder, so der Moosburger, seien mit einem Hilferuf dazugestoßen. Ganz typisch: "Mein Sohn ist in Amerika. Und jetzt soll ich ihm eine Mail schicken."
In solchen Fällen versucht Wolf den Computer-Novizen mit einem Satz Mut zu machen, den ihm ein ehemaliger Vorgesetzter eingebläut hat: "Keine Angst vor der Kiste. Wenn Sie was falsch machen, dann sagt sie's schon." Das hat geholfen. Der gelernte Maschinenbauer wurde bei Siemens zum ComputerFachmann, arbeitete mit Lochkartengeräten, den späteren Großrechnern und PCs.
Richtig gepackt hat es Hermann Wolf vor etwa 15 Jahren, als das Internet langsam entstand. Seit dieser Zeit hat er seinen Netz-Namen "Opa Wolf". Denn sein Enkel Florian kam zur Welt, und das Landshuter Mailbox- System ODS rühmte sich, "als einziges einen echten Opa als Mitglied zu haben". Oma Wolf betrachtet das mit gemischten Gefühlen und sähe ihren Gatten gerne öfters außerhalb seines Computerraums: "Am liebsten würde ich einen Schleudersitz einbauen." (Timo Aichele)